Vortragsreihe

Lange Nacht der Wissenschaften

Salon Jüdische Studien

Junger Salon: Judentum und Vielfalt

Ort: Foyer des Grimm-Zentrums

17:00-19:30 Uhr

Die mobile Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin gibt spannende Einblicke in die deutschjüdische Geschichte, jüdische Religion und die Lebenswege bekannter wie unbekannter Jüdinnen und Juden. Interaktiv und multimedial beantworten Kinder und Jugendliche spielerisch ihre eigenen Fragestellungen.

In Kooperation mit der Bildungsinitiative „on.tour“ des Jüdischen Museums Berlin

 

Salon Jüdische Studien

Das Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg greift die alte Berliner Tradition des Salons auf und lädt zu Vorträgen und Gesprächen über aktuelle Themen aus den Jüdischen Studien ein. 

Ort: Lounge auf dem Kubus im Foyer des Grimm-Zentrums

Panel 1: 20 – 21 Uhr

Moderation: Alina Bothe

Christina Brüning

Weiterleben im Hologramm? Zeitzeugenschaft im 21. Jahrhundert

Im Kurzvortrag wird gemeinsam mit dem Publikum der Langen Nacht der Wissenschaften geschaut, wie die technischen Möglichkeiten von Spracherkennungssoftware und 3 D Animation die Rezeption von Überlebenden-Berichten der Shoah verändern und wir werden diskutieren, wie (historisches) Lernen in einer Zukunft ohne lebende Zeug_innen gestaltet werden kann.

 

Sophie Hingst

Zwischen Propaganda und Protest: Fritz Löhner-Bedas Lied ‘Rosa, wir fahr’n nach Lodz’ und der Große Krieg

Fritz Löhner-Beda zählte in den 1920er Jahren zu den berühmtesten Schlagertextern und Operettendichtern weltweit. Seine Lieder sind noch heute vielen bekannt, ihr Autor jedoch ist längst vergessen. Am Beispiel zweier Lieder aus der Zeit des Ersten Weltkriegs wird die Vieldeutigkeit und Wandlungsfähigkeit des Autors aufgezeigt, der sich wie so viele Juden im „Großen Krieg“ zwischen den Stühlen, zwischen Patriotismus und Antisemitismus wiederfand.

 

Anne-Christin Klotz

„Barbarei ist ansteckend!“ – Polnisch-jüdische Reaktionen auf die Machtübertragung 1933.

In der Zwischenkriegszeit war Polen innerhalb Europas das Land mit der größten jüdischen Minderheit, bei der sich schon früh ein reges Interesse an den politischen Entwicklungen des deutschen Nachbarn zeigte. Der Vortrag gibt anhand des „Haynts“, der auflagenstärksten jiddischsprachigen Zeitung in Polen, einen Einblick in die Auseinandersetzung um den Aufstieg des Nationalsozialismus zu Beginn des Jahres 1933.

 

Panel 2: 21 – 22:20 Uhr

Moderation: Christina Brüning

 Anna-Dorotha Ludewig

„Träger einer Weltanschauung“: Private Berliner Kunstsammlungen der (klassischen) Moderne

 Der Vortrag stellt drei Sammler(paare) vor, die um die Jahrhundertwende nicht nur als Kunstliebhaber, sondern als Schlüsselfiguren, Netzwerker und Knotenpunkte des Berliner Kulturlebens einen wesentlichen Beitrag zur Etablierung der Moderne in Deutschland geleistet haben.

 

Ira Hennerkes

Sinnwandel – Ein Text von Christa Wolf

Sinnwandel ist ein kaum mehr als zwei Seiten umfassender Text, der zu Ehren des hundertsten Geburtstages von Thomas Mann neben anderen Beiträgen im Jahre 1975 erschien. Was verrät der Text Sinnwandel, der im unmittelbaren Entstehungskontext des Romans Kindheitsmuster entstand, über ihr Selbstverständnis als Autorin in der DDR in poetisch-moralischer und politischer Dimension?

 

René Koch

Wie wurden Soutines Ochsen jüdisch und was konnte der Kurator dafür?

 In der Rezeptionsgeschichte der in deutschen öffentlichen Sammlungen wenig präsenten Malereien Chaïm Soutines (1893-1943) zeigt sich die Ungenauigkeit einer Vorstellung ‚jüdischer Kunst’ in besonderem Maße. Der Vortrag versucht zu zeigen, wie die betonte Wahrnehmung der jüdischen Herkunft Soutines auch die Interpretation seiner Bilder nachhaltig beeinflusste.

 

 Sylke Kirschnick

Die Juden von Bagdad, der Mufti von Jerusalem und die deutschen Nationalsozialisten. Zu Sherko Fatahs Roman “Ein weißes Land” (2011)

Fatahs ästhetische Darstellung der Kooperation zwischen deutschen Nationalsozialisten, arabischen Islamisten und Nationalisten während des II. Weltkriegs ist in der hiesigen Literaturlandschaft bislang einmalig. Der Beitrag thematisiert die Verknüpfung historischer Fakten und literarischer Fiktionen, die Rolle der Medien, die Funktion von Erinnerungskulturen und das Arrangement der Kategorien Race, Class und Gender.

 

Panel 3: 22:20 – 23 Uhr

Moderation: Anna-Dorothea Ludewig

Katja Wolgast

Gemilut Chassadim – Zum Umgang mit Sterbenden und Toten im Judentum

Der besonders achtsame Umgang mit Verstorbenen besitzt in der jüdischen Tradition einen hohen Stellenwert. Am Beispiel des Prager Bilderzyklus der jüdischen Beerdigungsbruderschaft aus dem späten 18. Jahrhundert werden die Abläufe von Sterbebegleitung und Begräbnis im Judentum vorgestellt.

 

Johannes Czakai

Mr. Spock in Weißensee: Jüdische Grabsteinsymbolik und was sie uns verrät

Jüdische Friedhöfe sind vielerorts die letzten sichtbaren Zeugnisse einer reichen jüdischen Vergangenheit. Die jüdische Grabsteinkunst kennt dabei eine Vielzahl von Bildern, Symbolen und Ornamenten – doch was verraten sie uns? Segnende Hände, abgeknickte Bäume oder gar gefüllte Bücherregale erzählen vom Charakter,sozialen Stand, Namen und Alter der Verstorbenen. Wir wollen uns Grabsteinsymbole genauer anschauen und so in die jüdische Kultur eindringen.

 

Panel 4: 23 – 24 Uhr

Moderation: Werner Treß

Mathias Berek

Als jüdische Hoffnungen noch nationalliberal sein konnten

Aus heutiger Sicht war die Hoffnung vieler deutscher Juden vor der Shoah völlig irrational, der deutsche Staat werde ihre Rechte und ihr Leben vor den Antisemit_innen schützen. Seinen Ursprung hatte dieser unbegründete Optimismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Was war damals passiert? Und wieso war er unbegründet?

 

 

Anne-Susanna Dreßke

Der Philosoph Hermann Cohen (1842-1918): Der Prophetismus in den Jüdischen Schriften

Seit 1867 hat der Neukantianer Hermann Cohen neben seinen philosophischen Studien zahlreiche Schriften zu ethischen und religiösen Grundfragen des Judentums und zur jüdischen Zeitgeschichte verfasst Ausgehend von seinem religionsphilosophischen Spätwerk Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums (1919) sollen die zentralen Lehren der Propheten, wie Cohen sie verstanden wissen wollte, verdeutlicht werden.

 

Christoph Kasten

Die Verdeutschung der Schrift: Einführung und Lesung aus Anlass des 50. Todestages Martin Bubers

Die gemeinsam von Martin Buber und Franz Rosenzweig im Jahre 1924 begonnene „Verdeutschung“ der Schrift, die Buber nach dem Tode Rosenzweigs 1929 allein fortsetzte, ist ein einzigartiges Dokument der deutsch-jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Aus Anlass des 50. Todestages Bubers erinnert die Lesung an die gemeinsame Arbeit der beiden Autoren.