Podiumsdiskussion

5- Berliner Salon für jüdische Kultur und Wissenschaft

„Stille Post“: Christina von Braun im Gespräch mit Lara Dämmig

Prof. Dr. Christina von Braun
Institut für Kulturwissenschaft
Lara Dämmig

5. BERLINER SALON FÜR JÜDISCHE KULTUR UND WISSENSCHAFT

 „Stille Post“: Christina von Braun im Gespräch mit Lara Dämmig

Christina von Braun, Professorin für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Autorin, Filmemacherin. Schwerpunkte: Mentalitäts- und Geschlechtergeschichte, Antisemitismus, Schrift- und Medientheorie. Mitgründerin und Direktoriumsmitglied des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Sigmund Freud Kulturpreis 2013. Letzte Publikationen (Auswahl): Christina von Braun (Hg.), Was war deutsches Judentum? 1870-1933, 2015, Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte, 2012. Glauben, Wissen und Geschlecht in den drei Religionen des Buches, 2009; Christina von Braun, Bettina Mathes, Verschleierte Wirklichkeit. Die Frau, der Islam und der Westen, 2007. Stille Post. Eine andere Familiengeschichte, 2007. Christina von Braun, Christoph Wulf (Hg.), Mythen des Blutes, 2007.

Christina von Braun veröffentlichte 2007 das Buch „Stille Post“, in dem sie die Geschichte der Frauen ihrer Familie erzählt. In ihr spiegelt sich die widersprüchliche deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts wider. Auf der väterlichen Seite preußischer Landadel, ein konservativer Großvater, der mit dem Kaiser und dem Gedanken des deutschen Reichs identifiziert war. Im Ersten Weltkrieg wurde er zum ersten deutschen Pressesprecher Deutschlands, als Landwirtschaftsminister gehörte er dem letzten Kabinett der Weimarer Republik an. Auf der mütterlichen Seite eine Großmutter, die, schon im Ersten Weltkrieg als junge Frau verwitwet, allein zwei Kinder aufzog und zur ersten Generation der Frauen gehörte, die das Stimmrecht hatten. Sie wurde früh politisch aktiv, saß in der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg, gründete einen einflussreichen Hausfrauenverband, leitete einen Verlag sowie mehrere Publikationsreihen und gehörte zu den aktiven Frauenrechtlerinnen der Weimarer Zeit. Nach 1933 wurde ihr Hausfrauenverband von den Nazis übernommen, ihr Verlag „arisiert“, und zum ersten Mal wurde sie sich ihrer jüdischen Herkunft schmerzlich bewusst. 1943 schloss sie sich der Widerstandsgruppe „Freies Deutschland“ an, die von Kommunisten, Sozialdemokraten und Bürgerlichen gegründet worden war. Im Sommer 1944 flog die Gruppe auf; im September wurde ihr Leiter Franz Jakob hingerichtet. Am selben Tag wurde Hildegard Margis von der Gestapo verhaftet und starb kurz danach im Gefängnis Barnim-Straße.

Über das Leben ihrer Großmutter wusste Christina von Braun nur sehr wenig. In der Familie gab es eine Art „blinden Fleck“ um das Leben dieser Frau. Im Jahr 2000 machte sie sich an die Recherchen. Schon lange vorher auf dem Gebiet der Frauenfragen und der Jüdischen Studien aktiv, erschienen ihr diese Interessen nun wie ein unbewusstes Vermächtnis der Großmutter.

Anmeldung bis 22. Januar 2016 erbeten unter saloninberlin@gmail.com oder Tel. 030/441 81 02. Wegen begrenzter Platzzahl werden Anmeldungen entsprechend der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt. Wenn alle Plätze vergeben sind, ist auch vor Ablauf der Anmeldefrist keine Anmeldung mehr möglich. Sie werden im Falle einer Absage benachrichtigt.

Einlass ab 18.30 Uhr, Eintritt frei. Anschließend besteht die Möglichkeit, miteinander an der Bar ins Gespräch zu kommen.

Die Gastgeberinnen:

Lara Dämmig, Autorin, arbeitet bei einer jüdischen Organisation in Berlin und ist Mitbegründerin der jüdischen Fraueninitiative Bet Debora
Michal Or-Guil, Leiterin der Forschungsgruppe „Systemimmunologie“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und Beiratsmitglied des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks
Nora Pester, Verlegerin des Hentrich & Hentrich Verlags Berlin für jüdische Kultur und Zeitgeschichte