Vortrag

Subalterne Positionierungen.

Der deutsche Zionismus im Feld des Nationalismus in Deutschland. 1890-1933

PD Dr. Stefan Vogt
Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie und Historisches Seminar | Goethe-Universität Frankfurt am Main

“Der Vortrag präsentiert mein im vergangenen Oktober im Wallstein Verlag erschienenes Buch „Subalterne Positionierungen“, in welchem ich dem Verhältnis und den wechselseitigen Beziehungen zwischen dem Zionismus in Deutschland und dem deutschen Nationalismus nachgeht. Obwohl er nur einen kleinen Teil der zionistischen Weltbewegung repräsentierte, stellte der deutsche Zionismus eines der organisatorischen und intellektuellen Zentren dieser Bewegung dar. Dabei war der deutsche Zionismus gekennzeichnet durch die Spannung zwischen einer starken Affinität zur Ideologie des deutschen Nationalismus, einschließlich dessen radikaler völkischer Ausprägungen, und der Neigung vieler deutscher Zionisten zu einer außergewöhnlich moderaten nationalen Politik. Im deutschen Zionismus gehörte eine Kritik am Nationalismus zu den zentralen Bestandteilen der Ideologie, eine Kritik allerdings, die paradoxerweise gerade im Namen des Nationalismus argumentierte.

Die Studie geht diesem Paradox auf den Grund, indem sie das Verhältnis von Zionismus und Nationalismus in Deutschland als Prozess der Positionierung des Zionismus im Feld des Nationalismus begreift. Die Zionisten nahmen in diesem Feld eine ganz spezifische, nämlich subalterne Position ein, aus der heraus auch die Adaption von Ideen des deutschen Nationalismus eine sehr spezifische Intention erhielt. Die Studie zeigt, dass die Verflechtungen des deutschen Zionismus mit dem deutschen Nationalismus das Resultat einer Strategie der Selbstermächtigung waren, in der sich emanzipatorische Intentionen und Wirkungen mit einer problematischen Affirmation von identitätslogischen Grundannahmen des deutschen Nationalismus verbanden.”

 

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Stefan Vogt (geb.1968) ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie sowie Privatdozent für Neue Geschichte am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er hat an der Freien Universität Berlin promoviert und an der Univer­sität von Amsterdam, der New York University und an der Ben-Gurion Universität in Beer-Sheva gear­beitet. Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsch-jüdische Geschichte, die Geschichte des Nationalismus und die deutsche Kolonialgeschichte. Er ist der Autor von „Subalterne Positionierun­gen: Der deutsche Zionismus im Feld des Nationalismus in Deutschland, 1890-1933“ (Göttingen 2016), „Nationaler Sozialismus und Soziale Demokratie“ (Bonn 2006) sowie zahlreicher Aufsätze, unter an­derem zur Geschichte des deutschen Zionismus und zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie.