Vortrag

Einige Anmerkungen zu Gestaltung, Erscheinungsbedingungen, Funktion und Rezeption der deutsch-jüdischen Presse im National-sozialismus

Prof. Dr. Michael Nagel

Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 brachte nicht das Ende, sondern, zunächst einmal, einen Stimulus für die deutsch-jüdische Presse mit sich: An Umfang, Auflagen und Leserzahl nahm sie zu. Dies steht im Zusammenhang mit einem Bedeutungswandel: Wurde diese Presse bis 1933 von jüdischen Deutschen – ihrem hauptsächlichen Publikum – als Ergänzung der allgemeinen, also nichtjüdischen Presse, betrachtet, so war sie ihnen nun zu einem vorrangigen Medium der Information und Meinungsbildung geworden. Fragt man nach ihrem dokumentarischen Wert für gegenwärtige Untersuchungen zum deutschen Judentum im Nationalsozialismus, so ist hierbei ihre zunehmend restriktive Kontrolle durch die Machthaber in Rechnung zu stellen. Dass sich aus den betreffenden Periodika zwischen 1933 und 1938 gleichwohl mannigfaltige Aussagen zu den damaligen Lebensverhältnissen jüdischer Deutscher ergeben können, zeigt aktuell die 2015 von Yad Vashem, Jerusalem, begonnene Reihe „Jewish Press in Nazi Germany – Texts and Research.“