Konferenz

Uneingestandene Verwandtschaftsverhältnisse: Postcolonial Studies und die Historiographie des Zionismus

Konzepte aus dem Arsenal der postcolonial studies wurden in der Vergangenheit immer wieder für die Analyse der jüdischen Geschichte verwendet. Sie haben dazu beigetragen, den Einfluss kolonialer Ideen und Politiken auf die Situation der Juden in der Diaspora besser zu verstehen, und sie halfen zu begreifen, dass die Juden selbst in vielerlei Hinsicht eine kolonisierte Minderheit innerhalb Europas waren. Für die Geschichte des Zionismus ist dies bislang jedoch nur sehr eingeschränkt der Fall. Insbesondere der europäische Zionismus wurde nur selten aus einer solchen Perspektive analysiert. Dabei lässt sich der Zionismus durchaus als einen Versuch verstehen, die Marginalisierung der Juden in Europa und ihre damit zusammenhängende Abwertung, Diskriminierung und Verfolgung in einer ähnlichen Weise zu überwinden, wie dies von antikolonialen und antirassistischen Bewegungen unternommen wurde. Zugleich gibt es viele komplexe und widersprüchliche Berührungspunkte mit dem europäischen Kolonialismus. Vieles spräche also dafür, postkoloniale Ansätze in der Forschung zur Geschichte des Zionismus zu verwenden und die Geschichte des Zionismus als einen Gegenstand auch der postcolonial studies zu begreifen, ohne ihn lediglich als eine Variante des europäischen Kolonialismus zu betrachten. Dass dies bislang nur selten geschehen ist, hat eher politische und historische denn wissenschaftliche Gründe. Die Konferenz sucht demgegenüber nach möglichen Verbindungen zwischen Zionismusgeschichte und den postcolonial studies. Sie will ausloten, in welcher Weise postkoloniale Ansätze in der Forschung zur Geschichte des Zionismus angewendet werden können und welche Forschungsperspektiven sich daraus ergeben. Sie sucht dabei auch den direkten Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Zionismusgeschichte und der postcolonial studies.

In Kooperation mit

Derek J. Penslar, Samuels Zacks Professor of European Jewish History an der University of Toronto und Visiting Professor of History an der Harvard University

LOEWE Schwerpunkt “Religiöse Positionierung”

 

Teilnahme kostenlos, keine Registrierung erforderlich.

Konferenzsprache ist Englisch.

Kontakt: Stefan Vogt, Email: s.vogt@em.uni-frankfurt.de

Tagungsort: Goethe Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Casino und Seminarhaus, Norbert-Wollheim-Platz 1, Frankfurt am Main