Colloquium

Schweineschmalz versus Olivenöl. Heterodoxe Geruchswelten im Spanien der Frühen Neuzeit

Dr. Julia Gebke

Trotz aller Globalisierungstendenzen zählen die eigene Küche und ihre kulinarischen Schätze immer noch zu einem Hort kulturellen Selbstverständnisses. Gebäckspezialitäten wie Osterpinze oder Hamantasch bilden für viele einen festen Bestandteil der eigenen kulturellen, teils auch religiösen Identität. Das war im Spanien der Frühen Neuzeit nicht anders.

Hier schieden sich die Geister an Schweineschmalz und Olivenöl, die geradezu exemplarisch zum Austragungsort heterodoxer Geruchswelten wurden. Beide wurden jeweils als stinkend herabgewürdigt und darüber hinaus dem Körper des jeweils Anderen zu- und eingeschrieben. Das Schweineschmalz galt als das beim Kochen bevorzugt verwendete Fett der sich selbst als Altchristen definierenden Gruppe. Den Neuchristen, die von den selbsternannten Altchristen regelmäßig verdächtigt wurden heimlich den jüdischen Glauben zu praktizieren, wurde der bevorzugte Einsatz von Olivenöl in der Küche nachgesagt. Wie genau nun diese Zu- und Einschreibungen funktionierten und welches politische Programm sich dahinter auf christlicher Seite verbarg, soll im Vortrag näher beleuchtet werden.