Wandlung der Erwartungen an religiöse Amtsträger

Eine material engere Frage widmet sich den Anforderungsprofilen von Judentum, Christentum und Islam an ihre offiziell beauftragten Amtsträger, um die vielfältigen Aufgaben der jeweiligen Gemeinschaft zu erfüllen: zu sammeln und zu lehren, zu predigen, Gottesdienste zu leiten und Lebenshilfe zu geben, Rituale zu vollziehen, in religiösen Fragen zu entscheiden und vielleicht sogar ‚zwischen Himmel und Erde‘ zu vermitteln. Mit diesem Funktionswandel reagieren Religionsgemeinschaften auf die sich verändernden geschichtlichen und kulturellen, sozialen und politischen Bedingungen des Glaubens und der religiösen Praxis. In diesem Forschungsfeld wird den Erwartungen an geistliche Amtsträger nachgegangen, ihre Identität und Legitimation im Wandel der letzten Jahrhunderte untersucht und die Bezüge zum Funktionspersonal anderer Religionen (christliche Geistliche, Imame) hergestellt. Es gilt, Wechselbeziehungen in den Blick zu nehmen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten wahrzunehmen und diese als Innovationspotentiale im interreligiösen Austausch zu entdecken.  Die Frage nach dem Amtsverständnis und der Rolle im geistlichen Amt in den drei Gemeinschaften wird methodisch und inhaltlich zu neuen Diskussionsanstößen führen. Dies trägt in eminenter Weise den Empfehlungen des Deutschen Wissenschaftsrats Rechnung, die Verwissenschaftlichung von Religionen im Zuge und als Ausdruck der modernen Selbstreflexion in den drei großen monotheistischen Religionen und die Ausbildung dementsprechender akademischer Institutionen und Curricula zum Gegenstand der Forschung zu machen.

Mögliche Forschungsfelder:

    1. Rekrutierungsinstitutionen und Selbsttypisierungen von Funktionsträgern
    2. Die Rolle der Funktionsträger im Wandel der Zeit
    3. Komparatistische Untersuchung der Ordinationsriten
    4. Biographien von Amtsträgern als exemplarische Bilder ihrer Zeit – ihr individueller Umgang mit neuen Bedingungen, Erwartungen und Herausforderungen