Religion als Kulturform und Kulturalisierung von Religion

Gegenüber der Fokussierung religiöser Selbstwahrnehmung und Binnendifferenzierung der drei monotheistischen Religionen konzentriert sich dieser Themenblock einerseits auf Religion als Kulturform und nimmt dabei sozio-kulturelle und sozialpolitische Ein- und Ausschlussprozesse in den Blick. Andererseits werden Prozesse der Kulturalisierung von Religion in hegemoniekritischer Absicht fokussiert, wobei der Fokus auf dekonstruktivistischen Perspektiven liegt, die die essentialistische Aneignung von vermeintlichen ‚Eigenschaften’ und Vereinheitlichungen religiöser Gruppen hinterfragen. In beiden Fällen wird der Schwerpunkt hier auf kritische Analysen zur Relation von „Dominanzkultur“[1] und monotheistisch-kulturell geprägten Gruppen gesetzt. und monotheistisch-kulturell geprägten Gruppen gesetzt. Analysen zu Religion als Kulturform und kultureller Identität schließen dabei demographische, historiographie- und familiengeschichtliche Ansätze ebenso ein wie klassisch-hermeneutische und religionssoziologische Fragestellungen. Gleichzeitig sollen Analysen zur Inkulturation und Konfrontation mit kulturwissenschaftlichen Analysen verschiedener Topoi okzidentalistischer und christlich-hegemonialer Selbst- und Fremdbilder verbunden werden, die unter den Aspekten kultureller Dominanz und des ‚Othering’ in ihrer Bedeutung für hegemoniale Selbstkonstruktionen und soziale Strukturierungsprozesse zu bearbeiten sind. Die Bezüge historischer wie zeitgenössischer Selbst- und Fremdbilder zur jeweiligen kulturellen ‚Realität’ sind dabei selbst als Teil dieser ‚Realität’ zu begreifen, wenn man bedenkt, dass piktorial genährte oder narrative Zuschreibungen auf verschiedenste Weise im Mit- oder Gegeneinander des gesellschaftlichen Alltags konstitutiv werden können. Während die Fokussierung von Religion als Kulturform verstärkt soziale Prozesse der Integration und Exklusion monotheistisch-geprägter Kulturgruppen zum Gegenstand hat, so soll unter dem Aspekt der Kulturalisierung von Religion vor allem die diskursive Ebene der Wissensproduktion in rassismustheoretischer Hinsicht fokussiert werden. Das Verhältnis von Kultur und Religion wird in einem wechselseitigen Spannungsverhältnis zu untersuchen sein: Einerseits wird Religion als konkretes kulturprägendes Phänomen, als sozio-kulturelle Identität, ‚Realität’ und soziale Lebensweise innerhalb von Dominanzkulturen analysiert; andererseits stehen kulturell hegemoniale Fiktionen und Narrationen kulturalistisch gesetzter Differenz als (neo-)rassistische Ab- und Ausgrenzungsmechanismen zur analytischen Disposition.

Mögliche Forschungsfelder:

    1. Prozesse der Integration und Exklusion in staatlichen Institutionen, Unternehmen, Vereinen und berufsständischen Verbänden
    2. Siedeln und Wohnen zwischen sozialer Stadtplanung und Ghettoisierung
    3. Bibliotheks- und Buchkulturen
    4. Judentum, Christentum und Islam in ikonografischer und medialer Perspektive
    5. Selbst- und Fremdbilder in der Literatur
    6. Religion als Marker kultureller Differenz und sozialer Missstände
    7. Fundamentalistische Strömungen in den drei monotheistischen Religionen
    8. Definitionen von Aufklärung in den drei monotheistischen Religionen

 


[1] Birgit Rommelspacher: Dominanzkultur. Texte zu Fremdheit und Macht, Berlin 1995.