Literatur, Musik und Kunst

In den letzten Jahren entwickelte sich die Untersuchung der so genannten deutsch-jüdischen Symbiose zu einem zentralen Thema der deutsch-jüdischen Geschichtsforschung – ein Begriff, der stark umstritten, aber auch symptomatisch ist für eine Wahrnehmung des deutschen Judentums, die mehr von Mythen als von Fakten lebt. Ein prominentes Beispiel für diese Mythisierung ist die Salonkultur um 1800, ähnlich wie bei der Haskala gibt es auch hier nur eine selektive Forschung: Abgesehen von Rahel Varnhagen (1771-1833) und Henriette Herz (1764-1847) hat das Leben und Werk anderer ‚Salonnieren’, wie beispielsweise das der Schwestern Sara und Marianne Meyer, kaum wissenschaftliche Beachtung erfahren.

Grundsätzlich gilt diese Feststellung für das gesamte Judentum in Berlin, der Stadt mit dem vor 1933 größten jüdischen Bevölkerungsanteil in Deutschland. Gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wuchs dieser Bevölkerungsanteil von rund 36.000 (1871) auf über 100.000 (um 1900) Einwohner, wobei die Mehrheit der Berliner Juden im Bankwesen, im Handel und in den freien Berufen tätig war. Zunehmend auf Interesse stößt die Frage, welche Rolle Juden im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Berlins im 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhundert gespielt haben. Als Beispiel für die fruchtbare Verbindung zwischen Mäzenen und Künstlern können die Eheleute Carl (1842-1894) und Felicie (1852-1908) Bernstein und ihr Freundeskreis angeführt werden: Mit ihrer Sammlung französischer Impressionisten, die sie an ihrem jour fixe einer ‚Halböffentlichkeit’ präsentierten, haben die Bernsteins zu einer Etablierung dieser Kunstrichtung in Deutschland entscheidend beigetragen. Inwieweit die so genannte Salonkultur in Berlin eine spezifisch ‚deutsch-jüdische Note’ hatte, bedarf einer eingehenden Untersuchung; das gilt auch für die Verankerung der Berliner Juden im gesellschaftlichen Leben insbesondere nach 1871.

Mögliche Forschungsfelder:

    1. ‚Salonmythos’
    2. Mäzenatentum und Sammler
    3. Literaten, Maler/Kunstschaffende
    4. Juden als Filmschaffende in Berlin
    5. Der ‚Intellektuelle’ als Synonym für ‚Jude’ im Antisemitismus
    6. Musik
    7. Die Vertreibung der Kultur aus Deutschland
    8. Deutsch-jüdische Kultur in der Emigration