Wissenschaft des Judentums – Juden in der Wissenschaft

Unter dem Begriff ‚Wissenschaft des Judentums’ wird auch eine im 19. Jahrhundert geführte Debatte um eine neue jüdische Identität subsumiert. Dabei handelt es sich um den Versuch einer Selbstverortung im Kontext der zunehmenden Säkularisierung, denn die „Wandlung des jüdischen Geschichtsbildes von einem statisch-religiösen zu einem weltlich-dynamischen“[1] musste theoretisch aufgefangen und manifestiert werden. Das stark säkularisierte jüdische Bildungsbürgertum ging sogar dazu über, das Judentum, wenn überhaupt, „nur noch als Kulturerbe bewahren“ zu wollen.[2] Andererseits publizieren, während in der Wissenschaft des Judentums das Judentum selbst zum Gegenstand moderner Forschung wird, schon seit ca. dem Jahr 1700 Juden im deutschsprachigen Raum wissenschaftliche Texte in Hebräisch, Latein und Deutsch – in Medizin, Astronomie, Physik, Mathematik etc. Juden werden, vermehrt dann nach Haskala und Emanzipation, als Forscher und Wissenschaftler in allen Wissensbereichen und in der Philosophie tätig. Die rabbinische Elite wird in der Moderne durch eine säkulare Gelehrten-Elite abgelöst.

Mögliche Forschungsfelder:

    1. Universitäten und Hochschulen
    2. Juden als Marginalisierte in kanonischen Fächern (etwa der Geschichte)
    3. Rabbinische Literatur – jüdische Literatur – Weltliteratur
    4. Jüdische Geschichte und jüdische Historiographie
    5. Jüdische Bildungseinrichtungen und Wissenschaftler
    6. Bibliotheken und Sammlungen
    7. Emigration des Wissens nach 1933
    8. Die Entstehung neuer Forschungsfelder wie der Psychoanalyse

 

 


[1] Florian Krobb: Selbstdarstellungen. Untersuchungen zur deutsch-jüdischen Erzählliteratur im neunzehnten Jahrhundert, Würzburg 2000, S. 20.

[2] Julius Carlebach (Hg.): Wissenschaft des Judentums. Anfänge der Judaistik in Deutschland, Darmstadt 1992, S. X.