Der Holocaust im Museum: Pädagogische Vermittlung und deren Evaluation

Die pädagogische Aufbereitung und Vermittlung der wissenschaftlich erarbeiteten Erkenntnisse in Museen und Gedenkstätten ist in der Region Berlin-Brandenburg schon seit mehreren Jahren durch die enge Zusammenarbeit der einschlägigen Institutionen auf vorbildliche Weise gegeben. So ermöglicht das Projekt ‚Zeugen der Shoah’ an der FU seit 2008 Schulklassen aus Berlin und Brandenburg die Arbeit mit den Interviews des Visual History Archive, ergänzt durch eigens für diese Altersgruppe erarbeitete didaktische Angebote. Angeleitet von Kolleginnen des Projektteams können Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 im Seminarraum der Universität an 16 Computerarbeitsplätzen das Videoarchiv nutzen. Das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU, der HU-Lehrstuhl für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus sowie das zweijährige Studienprogramm des Touro-College vermitteln in ihren Studiengängen grundsätzliche Kenntnisse über Genese und Verlauf des Holocaust sowie über die Bedingungen der Aufarbeitung und des Umgangs damit in post-nationalsozialistischen Gesellschaften und in den vom Nationalsozialismus ehemals besetzten Ländern Europas. Die enge Zusammenarbeit mit den Gedenkstätten und Museen (Praktika, Abschlussarbeiten) gehört an allen drei Institutionen zur Ausbildung.

Zwischen dem Institut für Jüdische Studien der UP und dem Jüdischen Museum Berlin wurde 2009 ein Kooperationsvertrag über wissenschaftliche und museumspädagogische Zusammenarbeit geschlossen, der es Wissenschaftlern der UP und den Wiss. Mitarbeitern und Kuratoren des Museums gleichermaßen ermöglicht, für das BA- und MA-Studium der Jüdischen Studien an der UP im Jüdischen Museum und mit den Materialien des Museums Lehrveranstaltungen zur materialen Kultur des Judentums, zur Museumspädagogik und zur deutsch-jüdischen Geschichte durchzuführen. Diese Vereinbarung hat dazu geführt, dass eine Anzahl von Lehrveranstaltungen für Jüdische Studien im Jüdischen Museum Berlin stattfand. Eine Verstetigung und Vertiefung dieser Zusammenarbeit mit dem Ziel einer Rekrutierung von wissenschaftlich und berufspraktisch ausgebildeten Mitarbeitern im Museumsbereich durch die internationale museologische Ausbildung von Studierenden der Jüdischen Studien im Rahmen des ‚Program for Professional Education and Training in Jewish Museology’ ist gegenwärtig in der Planungsphase.

Während hier also vielfältige Verknüpfungen bereits gegeben sind, steckt die Evaluierung der seit ca. zwanzig Jahren so enorm ausdifferenzierten Vermittlungsangebote noch in den Kinderschuhen. Allerdings liegen erste Ergebnisse vor, die besagen, dass sich das Wissen über die Vergangenheit unter Jugendlichen in den letzten Jahren umgekehrt proportional entwickelt, also eher ab- als zugenommen hat. Hier  besteht also ein dringender, auch politisch offensichtlicher Forschungsbedarf.

Mögliche Forschungsfelder:

    1. Zwangspädagogik oder Freiwilligkeit? Möglichkeiten und Grenzen der pädagogischen Vermittlung der NS-Vergangenheit
    2. Menschenrechtserziehung. Die Universalisierung des Holocaust als padägogisches Allheilmittel
    3. Musealisierung jüdischer Geschichte in der Migrationsgesellschaft