Die Zukunft der Zeugenschaft

Das an der FU und am ZfA zugängliche Visual History Archive der Shoah Foundation sowie das am MMZ angesiedelte Fortunoff Visual Archive stellen gemeinsam rund 60.000 Videointerviews mit Überlebenden und Zeugen des Holocaust zur Verfügung. Für die zukünftige Geschichtsschreibung wird es eine Schlüsselfrage sein, wie mit diesen Quellen umzugehen ist, deren Genese und Archivierung sie als Oral History Quelle im klassischen Sinne eigentlich unbrauchbar macht. Durch die Archivierung nun wird das eigentlich interaktive Moment der Erzeugung einer Oral History Quelle förmlich in ein statisches Dokument gebannt, aus dem kommunikativen Kontext gelöst und ist somit einer Analyse im ursprünglichen Sinne der Oral History nicht mehr zugänglich. Die damit einhergehenden Probleme eines künftigen wissenschaftlich soliden Umgangs mit diesem immensen Quellenkorpus sind bislang kaum reflektiert worden. Hierfür bietet sich eine Kooperation von FU und TU mit der University of Southern California an, wo die Visual History Archive beheimatet ist.

Mögliche Forschungsfelder:

    1. Die Genese der ‚Zeugenschaft’: Nachkriegsprojekte, Justizquellen und Oral History Projekte im Vergleich
    2. Der mediale Einfluss auf die Konstruktion von Erinnerung
    3. Holocaust Online – die Konsequenzen der Digitalisierung von Erinnerung
    4. Das Internet als Archiv der Erinnerung?