Europäisch-jüdische Studien

Herausgegeben vom Moses Mendelssohn Zentrum in Kooperation mit dem Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg

Die Schriftenreihe “Europäisch-jüdischen Studien” (EJS) repräsentiert die interdisziplinär vernetzte Kompetenz des neuen “Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg” (ZJS). Die Reihe zielt insbesondere auf geistes- und kulturwissenschaftliche Ansätze sowie auf gesellschaftliche und religiöse Grundfragen, die jüdisches Leben und Denken in Gestalt der europäisch-jüdischen Symbiose, aber auch im Kontext des Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart beeinflusst haben. Die Schriftenreihe wird in drei Bereiche gegliedert: BEITRÄGE, KONTROVERSEN und EDITIONEN.

In den BEITRÄGEN werden exzellente Monographien und Sammelbände zum gesamten Themenspektrum der Jüdischen Studien veröffentlicht. In den KONTROVERSEN werden grundlegende gesellschaftspolitische Debatten zu Themen mit jüdischem Bezug aufgenommen, die von wissenschaftlicher Relevanz sind. In den EDITIONEN werden Werke herausragender jüdischer Wissenschaftler neu aufgelegt. Sämtliche Publikationen erscheinen sowohl als Printausgabe wie auch als E-Book. Die Schriftenreihe ist peer-reviewed.

e-ISSN 2192-9610

zum Verlag De Gruyter

 
   

Europäisch-jüdische Studien – Beiträge

 

Band 1: Der Berliner “jüdische Salon” um 1800
Emanzipation in der Debatte

Hannah Lotte Lund

Präsentiert werden die Berliner „jüdischen Salons“  um 1800 anhand neuer Quellen als ebenso lebendiges wie fragiles kommunikatives Netz. Der Querschnitt durch die Salongesellschaft des Beispieljahres 1794/95 macht eine Geselligkeitskultur sichtbar, in der sehr verschiedene Orte zu „Salons“ werden konnten, und in der Gäste und Gastgeberinnen (wieder) zu entdecken sind. Längsschnitte durch rekonstruierte, jahrzehntelang geführte Korrespondenzen erlauben die Frage nach Wendepunkten in der Wahrnehmung jüdischer Gastgeberinnen und nach möglichen Wechselwirkungen zwischen Salons und zeitgenössischen Emanzipationsdiskursen.

 

Band 2: Contemporary Jewish Reality in Germany and Its Reflection in Film

Hrsg. v. Dorchain, Claudia Simone / Wonnenberg, Felice Naomi

The notion of “self” and “other” and its representation in artwork and literature is an important theme in current cultural sciences as well as in our everyday life in contemporary Western societies. Moreover, the concept of “self” and “other” and its imaginary dichotomy is gaining more and more political impact in a world of resurfacing ideology-ridden conflicts. The essays deal with Jewish reality in contemporary Germany and its reflection in movies from the special point of view of cultural sciences, political sciences, and religious studies. This anthology presents challengingly new insights into topics rarely covered, such as youth culture or humor, and finally discusses the images of Jewish life as realities still to be constructed.

 

Band 3: Heinrich Heine und die Diaspora
Der Zeitschriftsteller im kulturellen Raum der jüdischen Minderheit

Lydia Fritzlar

Welche Bedeutung hatte die diasporische Existenz für Heinrich Heine – sowohl für sein Werk als auch für sein Selbstverständnis als Schriftsteller? In seinem Werk wird der Wandel von einem religiösen zu einem säkularen Verständnis der jüdischen Diaspora, so wie er für das 19. Jahrhundert typisch ist, beispielhaft nachgezeichnet. Die Einführung dieser neuen Perspektive in die deutsche Literatur steht nicht zuletzt für das jüdische Selbstbewusstsein des politischen Schriftstellers in der Zeit Heines.

 

Band 4: Die Shoah im Spiegel öffentlicher Konflikte in Polen
Zwischen Opfermythos und Schuldfrage (1985-2001)

Stefanie Kowitz-Harms

Die Erinnerung an die Shoah ist bis in die Gegenwart ein konfliktbehaftetes Thema in Polen. Seit Mitte der 1980er Jahre werden immer wieder öffentliche Auseinandersetzungen über den Umgang mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung geführt. Die hier erhobenen Vorwürfe einer moralischen oder aktiven Schuld des polnischen Volkes im Zweiten Weltkrieg stehen im Widerspruch zu einem historisch gewachsenen Selbstverständnis als Helden- und Opfergemeinschaft. Die Autorin geht der Frage nach, wie die polnische Gesellschaft mit dem aufgezeigten Widerspruch umgeht und welchen Einfluss die Diskussionen auf die Meinungsbildung der Bevölkerung ausüben.

 

Band 5: Salondamen und Frauenzimmer
Selbstemanzipation deutsch-jüdischer Frauen in zwei Jahrhunderten

Hrsg. v. Geffers Browne, Christine / Kotowski, Elke

Der vorliegende Band vereint Porträts jüdischer Frauen in Brandenburg-Preußen und ihren Weg zur Selbstemanzipation in Religion, Kultur und Gesellschaft. Im Fokus stehen Repräsentantinnen der Kunst, der Literatur, der Politik, des Gemeinwesens. Allen gemein war der Kampf um das Recht auf Selbstbestimmung und gesellschaftliche Gleichstellung als Frau und als Jüdin. Die Beiträge spannen einen Bogen von der Aufklärung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und verfolgen u.a. den Einfluss der Salonièren auf das kulturelle Berlin, die wachsende weibliche Mitsprache in Politik und Gesellschaft sowie den Vorstoß dieser bemerkenswerten Frauen in traditionelle Männerdomänen.

 

Band 6: Bilder des Jüdischen
Selbst- und Fremdzuschreibungen im 20. und 21. Jahrhundert

Hrsg. v. Sucker, Juliane / Wohl von Haselberg, Lea

„Typisch jüdisch“ titelte die ZEIT im Frühjahr 2010 und versah diese Überschrift mit einem Fragezeichen. So problematisch der Identitätsbegriff als Analysekategorie ist, so wichtig ist doch das reziproke Verhältnis von jüdischem Selbstverständnis und Fremdzuschreibungen für das Verständnis der deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte. Im Zentrum des Bandes stehen fiktionale Entwürfe „des Jüdischen“, Abgrenzungen zwischen jüdischen Gruppierungen, aber auch, wie im Rahmen von innerjüdischen Diskursen, z.B. in der Weimarer Republik, auf antisemitische Zuschreibungen reagiert wurde.

 

Band 7: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert

Schwarz-Friesel, Monika / Reinharz, Jehuda

Antisemitismus zeigt sich seit vielen Jahrhunderten nicht nur in physischer Gewalt und sozialer Diskriminierung, sondern auch in sprachlichen Äußerungen, die Juden diffamieren und stigmatisieren. Verbal-Antisemitismus manifestiert sich als Gewalt durch Sprache. Die vorliegende Studie basiert auf der Analyse von über 10.000 E-Mails und Briefen an den Zentralrat der Juden und die israelische Botschaft und widmet sich der Frage, wie über sprachliche Äußerungen spezifische Vorstellungen über Juden konstruiert und aktiviert werden. Wann ist eine Äußerung als antisemitisch einzustufen? Inwiefern stellt Anti-Israelismus eine neue Variante des Verbal-Antisemitismus dar? Negative Einstellungen gegenüber Juden sind auf jeden Fall keineswegs nur an den Rändern der Gesellschaft zu finden, sondern auch in der politisch nicht radikalen, ökonomisch gut situierten und gebildeten Mitte. Schwarz-Friesel und Reinharz behandeln die verschiedenen verbalen Manifestationen des aktuellen Antisemitismus und deren zugrundeliegenden geistigen Vorstellungen sowohl aus historischer als auch aus sprach- und kognitionswissenschaftlicher Perspektive.

  

Band 8: Der Tag von Potsdam. Der 21. März 1933 und die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur

Hrsg. v. Kopke, Christoph / Treß, Werner

Am 21. März 1933 inszenierten die Nationalsozialisten mit dem „Tag von Potsdam“ publikumswirksam den Schulterschluss der neuen Machthaber mit den alten, wilhelminischen Eliten aus Adel, Bürgertum, Kirche und Militär. 80 Jahre nach dem Umbruchsjahr 1933 werden im vorliegenden Band die historischen Kontexte des „Tages von Potsdam‍“ als einer entscheidenden Wegmarke bei der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur noch einmal näher betrachtet. In neun Beiträgen von renommierten Wissenschaftlern wird zunächst der Verlauf des „Tages von Potsdam“ rekonstruiert, seine Bedeutung in der Gedächtniskultur analysiert und die weiteren Etappen und Faktoren der nationalsozialistischen Machdurchsetzung in den Blick genommen.

  

9783110305852

Band 9: Das Kulturerbe deutschsprachiger Juden. Eine Spurensuche in den Ursprungs-, Transit- und Emigrationsländern

Hrsg. v. Kotowski, Elke-Vera

Im Rahmen des Projektes German Jewish Cultural Heritage zeigen die Einzelexpertisen dieses Bandes die kulturelle Einflüsse des deutschsprachigen jüdischen Bildungsbürgertums weltweit. Dieser Einfluss wirkt in vielen Heimat- und Exilländern fort, ohne dass dies im kollektiven Bewusstsein angemessen repräsentiert wäre. Der Band leistet einen wichtigen Beitrag bei der Spurensuche deutschsprachiger Juden infolge von Emigration. Autoren sind u.a. Jacob Hessing (Tel Aviv), Klaus Hödl (Graz), Michael A. Meyer (Cincinnati) , Julius H. Schoeps (Potsdam), Frank Stern (Wien), Liliane Weissberg (Philadelphia), Michael Wolffsohn (München), Moshe Zimmermann (Jerusalem)

Parallel wird an einer Datenbank gearbeitet, in der Archive, Bibliotheken, Forschungszentren, Gemeinden, Museen, Universitäten und Vereine in aller Welt erfasst und vernetzt werden, die mit der Bewahrung und Bearbeitung dieses Themas befasst sind.

  

Das Kulturerbe

Band 10: Der Dandy als kulturhistorisches Phänomen. “Leben als Kunstwerk” im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Hrsg. v. Knoll, Joachim H. / Ludewig, Anna-Dorothea / Schoeps, Julius H.

Der Dandy ist eine janusköpfige Figur: einerseits in Habitus und Mentalität dem 18. Jahrhundert verhaftet, andererseits die adligen Standesschranken durchbrechender Einzelgänger. Das Brüchigwerden der Adelswelt schnitt den Typus des Gesellschaftsdandys von seinem angestammten Terrain ab und drängte ihn noch stärker in die Vereinzelung. Auch der Zusammenbruch der ‚großen Welt‘ vor und nach dem Ersten Weltkrieg stellte für den Dandy eine massive Existenzbedrohung dar. Die verwandte Spielart des Künstlerdandys repräsentiert eine mondäne Bohème und existiert in ihren verschiedenen Amalgamierungen bis heute. Der Band untersucht Erscheinungsformen und Transformationen sowie neue Selbstbehauptungsstrategien des Dandys im 19. und 20. Jahrhundert und stellt Biographien bekannter Dandys vor.

  

9783110305913

Band 11: Über die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Preußen. Ziele und Motive der Reformzeit (1787-1812)

Marion Schulte

Bis zur Erlangung der rechtlichen Gleichberechtigung war es für die preußischen Juden ein langer Weg. Im Fokus steht die Konflikt- und Diskursgeschichte zwischen den Delegierten der Judenschaften und der preußischen Beamtenschaft. Dabei werden die Grenzen und die Möglichkeiten der Toleranz in einer letztlich erfolgreichen Diskursgeschichte, die bis zum preußischen „Emanzipationsedikt“ (1812) führten, herausgearbeitet. Die Auswertung der „Judenbilder“ heute kaum noch bekannter preußischer Beamter ermöglicht neue Einblicke in die Emanzipationsgeschichte der Juden im Preußen der Zeitenwende vom 18. zum 19. Jahrhundert.

  

9783110306033

Band 12: Jüdische Ärztinnen und Ärzte im Nationalsozialismus. Entrechtung, Vertreibung, Ermordung

Hrsg. v. Beddies, Thomas / Doetz, Susanne / Kopke, Christoph

Neben der Berufsgruppe der jüdischen Juristen waren es vor allem jüdische Mediziner, gegen die sich der Antisemitismus in Deutschland ab 1933 zügig und organisiert richtete. Auf der Grundlage oder in Folge des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurden jüdische Ärztinnen und Ärzte aus staatlichen und städtischen Einrichtungen entlassen und von den Hochschulen verwiesen. Zahlreiche Verordnungen und Gesetze diskriminierten jüdische Medizinerinnen und Mediziner auf vielfältige Weise. Es folgten der Entzug der Kassenzulassung und schließlich der Entzug der ärztlichen Approbation. Zahlreiche Betroffene emigrierten, von den in Deutschland verbleibenden jüdischen Ärztinnen und Ärzten wurden viele deportiert und ermordet. Renommierte Autorinnen und Autoren beleuchten aus unterschiedlicher Perspektive in Überblicksaufsätzen und präzisen Fallstudien Vorgeschichte, Verlauf und Folgen der Vertreibung, Entrechtung und Ermordung jüdischer Ärztinnen und Ärzte im Nationalsozialismus.

  

9783110306057

Band 13: Jugendbewegung, Antisemitismus und rechtsradikale Politik. Vom “Freideutschen Jugendtag” bis zur Gegenwart

Hrsg. v. Botsch, Gideon / Haverkamp, Josef

Im Jahr 2013 jährt sich zum 100. Mal der „Freideutsche Jugendtag“ auf dem Hohen Meißner. Am Rande dieses historischen Treffens, das als erste große Manifestation der „Deutschen Jugendbewegung“ gilt, kam es zu antisemitischen Ausfällen. In der Folge entstand erstmals ein „völkischer Flügel“ der Jugendbewegung. Nach dem ersten Weltkrieg gerieten weite Teile der Jugendbewegung, die sich nun als „Bündische Jugend“ begriff, in nationalistisches Fahrwasser und ließen sich für rechtsextreme Politik missbrauchen. 1933 in die Illegalität gezwungen, wandte sich die Mehrheit der seit 1945 wieder- oder neubegründeten Bünde und Verbände zwar der demokratischen Gesellschaft zu, rechtsextreme Jugendgruppen und Publizisten versuchten aber wiederholt, das jugendbewegte Erbe zu vereinnahmen. Der Sammelband wird das Spannungsfeld zwischen Jugendbewegung, Nationalismus und Antisemitismus ausleuchten, wobei erstmals auch jüngere bis jüngste Erscheinungen in den Blick genommen werden.

  

9783110306422

Band 14: Modern Jewish Scholarship in Hungary. The ‘Science of Judaism’ between East and West

Hrsg. v. Turán, Tamás / Wilke, Carsten

  

Modern Jewish Scholarship in Hungary

Band 15: Das Emanzipationsedikt von 1812 in Preußen. Der lange Weg der Juden zu „Einländern“ und „preußischen Staatsbürgern“

Hrsg. v. Diekmann, Irene

200 Jahre nach dem Erlass des Edikts, betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem preußischen Staate beleuchten dreizehn Beiträge unter Auswertung bisher nicht ausgewerteter Quellen dieses Emanzipationsmodell. Ausgehend von ihrer Situation zur Zeit Friedrichs II. wird der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten das Edikt für die Lage der Juden mit sich brachte und welche Grenzen es nach wie vor gab. Auch wird der Blick auf andere Territorien gelenkt, in denen ebenfalls über Emanzipation diskutiert worden ist.

  

9783110319798

Band 16: Being Jewish in 21st Century Germany

Hrsg. v. Glöckner, Olaf / Fireberg, Haim

An unexpected immigration wave from the former Soviet Union has stabilized and enlarged Jewish Life in Germany up from the 1990ies. Jewish kindergardens and schools were opened, Jewish museums, theaters and festivals are attracting a wide audience. No doubt: Jews will continue to live in Germany. At the same time, Jewish life undergoes an impressing transformation – from rejection to acceptance, but not without disillusionments and heated debates. And while the ‛new Jews of Germany,’ 90 percent of them having an Eastern European background, are already considered an important factor of the contemporary Jewish Diaspora, they still grapple with the shadow of the Holocaust, with internal cultural clashes and with difficulties in shaping a new collective identity. What does it mean to live a Jewish life in present Germany? How are Jewish thoughts and feelings reflected in arts, literature, and movies? What happens with the former German Jewish cultural heritage? Who are the new Jewish elites, and how successful is the fight against anti-Semitism? 20 authors look for answers on these and on related questions.

  

Being Jewish

Band 17: Soncino – Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches

Ein Beitrag zur Kulturgeschichte

Hrsg. v. Bürger, Karin / Sonder, Ines / Wallmeier, Ursula

Im Mai 1924 wurde in Berlin die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches gegründet. Benannt nach der jüdischen Druckerfamilie Soncino des 15. und 16. Jahrhunderts in Italien, hatte sich diese erste jüdische Bibliophilen-Gesellschaft die Publikation seltener jüdischer Texte und wertvoller hebräischer Drucke zum Ziel gesetzt. Mitglieder der Gesellschaft waren namhafte Persönlichkeiten, Bibliotheken, jüdische Logen und Kultureinrichtungen im In- und Ausland. Ihre Mitgliederzahl betrug über 800. Der Band, der aus Anlass des 90. Gründungsjubiläum der Soncino-Gesellschaft erscheint, geht in acht Essays der Geschichte der Vereinigung und ihrem Engagement für die hebräische Buchkultur nach, beleuchtet das Netzwerk ihrer Mitglieder und mögliche zionistische Einflüsse und hinterfragt die Wirkungsgeschichte der Gesellschaft. Ein umfangreicher Anhang mit einer Bibliographie der Publikationen und erstmals einer möglichst vollständigen Liste der Mitglieder der Soncino-Gesellschaft ergänzt den Band.

  

Soncino

Band 19: Walther Rathenau im Netzwerk der Moderne

Hrsg. v. Brömsel, Sven / Küppers, Patrick / Reichhold, Clemens

Walther Rathenau war als Intellektueller, Unternehmer und Minister, als Verfasser zahlreicher Schriften und Briefe ein wichtiger Akteur in Netzwerken der Wirtschaft, der Politik, der Soziologie und der Kunst. Damit war Rathenau Mitgestalter einer Zeit voller Umbrüche und Konflikte, welche das zweite Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution und die ersten Jahre der Weimarer Republik umspannt und welche als „historische“ oder „klassische“ Phase der Moderne noch immer nachwirkt. In diesem Band werden Rathenaus Positionen kritisch hinterfragt, ebenso Erinnerungsmodi und Inanspruchnahmen, die ihm in den neunzig Jahren seit seinem gewaltsamen Tod widerfahren sind und weiter widerfahren.

  

Walther Rathenau

Band 20: Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft
Zur Geschichte der Antisemitismusforschung vor 1944

Hrsg. v. Hahn, Hans-Joachim / Kistenmacher, Olaf

Schon etwa 150 Jahre vor der „Dialektik der Aufklärung“ begannen Wissenschaftler, darunter zahlreiche Jüdinnen und Juden, die moderne Judenfeindschaft begrifflich zu erfassen und zu erklären. Der vorliegende Band rekonstruiert erstmals viele dieser aus verschiedenen politischen Richtungen, gesellschaftlichen Bereichen und akademischen Disziplinen stammenden Erklärungsansätze. Sichtbar wird eine vielgestaltige Forschung, die bislang als Vorgeschichte heutiger Antisemitismusforschung kaum Berücksichtigung fand. Erkenntnisleitend für die Analysen ist die Frage, inwiefern es diesen Beschreibungsversuchen gelang, die herrschenden antisemitischen Vorurteile und Denkweisen zu überwinden und dabei Grundlagen für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zu formulieren. Wiederzuentdecken sind dabei eine Reihe vergessener Texte – wie etwa Ludwig Fulds „Antisemitismus in der Wissenschaft“ (1899) oder Norbert Elias’ „Zur Soziologie des deutschen Antisemitismus“ (1929).

  

Beschreibungsversuche

Band 22: Franz Werfel und der Genozid an den Armeniern

Hrsg. v. Knocke, Roy / Treß, Werner

Der Band nimmt eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme von Biografie und Werk des österreichisch-jüdischen Schriftstellers Franz Werfel unter dem Gesichtspunkt des Völker-mords an den Armeniern vor. Was brachte Werfel in seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh‍‍“ zu seinem literarischen Engagement für die Armenier? Wie sind Fiktion und historisches Geschehen in dem Roman umgesetzt und später kinematografisch verarbeitet worden? Welche Rolle spielen christliche und jüdische Anschauungen im Werk von Werfel? Welche Rezeptionslinien lassen sich aus armenisch-jüdisch-türkisch-deutscher Perspektive ziehen? Der Band widmet sich schließlich der Frage, wie die Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern heute als Thema im Kontext der europäischen Integration gesehen wird.

  

Franz Werfel

Band 23: Orientalism, Gender, and the Jews

Literary and Artistic Transformations of European National Discourses

Hrsg. v. Brunotte, Ulrike / Ludewig, Anna-Dorothea / Stähler, Axel
 

Originating in the collaboration of the international Research Network “Gender in Antisemitism, Orientalism and Occidentalism” (RENGOO), this collection of essays proposes to intervene in current debates about historical constructions of Jewish identity in relation to colonialism and Orientalism. The network‌’s collaborative research addresses imaginative and aesthetic rather than sociological questions with particular focus on the function of gender and sexuality in literary, scholarly and artistic transformations of Orientalist images. RENGOO’s first publication explores the ways in which stereotypes of the external and internal Other intertwine. With its interrogation of the roles assumed in this interplay by gender, processes of sexualization, and aesthetic formations, the volume suggests new directions to the interdisciplinary study of gender, antisemitism, and Orientalism.

 

Orientalism

Band 24: Was war Deutsches Judentum?

1870-1933

Hrsg. v. Braun, Christina von

Das deutsche Judentum erlebte in der Zeit zwischen 1870 bis 1933 eine besondere Phase kultureller Entwicklung und Vielfalt. Der Band gibt einen Einblick in die Biographien deutscher Juden und deren Rolle für die deutsche Gesellschaft in diesem Zeitraum. Der Schwerpunkt liegt auf Preußen und der Region Berlin, wo die Verflechtungen und der Austausch von Juden und Nicht-Juden besonders intensiv und nachhaltig waren. Berlin wurde in dieser Zeit zu einer Drehscheibe von Emigration und Immigration; von hier gingen viele wichtige Impulse in alle Welt– vor allem die des Reformjudentums. Im Fokus der Beiträge stehen sowohl berühmte Namen als auch weniger bekannte, zum Teil vergessene Persönlichkeiten und Bewegungen, die Religion und Philosophie, Politik und Ökonomie, Wissenschaft und Forschung, Kultur und Gesellschaft des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Deutschland geprägt haben. Es geht um Annäherung und Abgrenzung, um Fragen von Identität, von Fremd- und Selbstzuschreibungen. Mit Beiträgen von Atina Grossmann, Michael A. Meyer, Gideon Reuveni, Till van Rahden, Shulamit Volkov, Liliane Weissberg, u.a.

 

Was war deutsches Judentum

Band 25: Ernst Ludwig Ehrlich – prägende Jahre
Eine Biographie

Bomhoff, Hartmut

Der Historiker und Religionswissenschaftler Ernst Ludwig Ehrlich (1921–2007) gehört zu den prägenden Gestalten des deutschsprachigen Judentums nach der Schoa. Die Lebensgeschichte des gebürtigen Berliners umfasst die Erfahrung von Vernichtung und Wiederaufbau des europäischen Judentums im 20. Jahrhundert. Ehrlich war einer der letzten vier Schüler Rabbiner Leo Baecks an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. 1943 gelang ihm dank christlicher Helfer die Flucht in die Schweiz, wo er 1950 in Basel promovierte und von dort aus zu einem Wortführer im jüdisch-christlichen Dialog in Deutschland wurde. Hartmut Bomhoff schildert, wie die Erfahrung von Ausgrenzung, Untergrund und Flucht Ehrlich trotz allem zum Brückenbauer machte, dem nach 1989 besonders am Herzen lag, jüdischen Zuwanderern „eine geistige jüdische Identität zu vermitteln, die ihnen bisher verwehrt war.“ Aus seiner persönlichen Entwicklung heraus setzte Ehrlich Zeichen für die Zukunft, wegen derer er auch zum Namensgeber des jüdischen Begabtenförderwerks der Bundesrepublik wurde, des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES).

 

Ehrlich

Band 26: Poetik des Überlebens
Kulturproduktion im Konzentrationslager

Hrsg. v. Rothstein, Anne-Berenike

Kultur in der Unkultur– der vorliegende Band beleuchtet, wie in Konzentrationslagern Artefakte und neue Formen von Kreativität entstehen konnten und wie diese rezipiert wurden. Der Titel des interdisziplinären Bandes „Poetik des Überlebens“ verweist auf die Zeitlichkeit der Artefakte: Einerseits sind sie als „In situ“-Genre gedacht und zur sofortigen (und ggf. einmaligen) Rezeption angelegt; andererseits diskutiert der Band die Überzeitlichkeit der Werke und geht zudem der Frage nach, welche Möglichkeiten zur Aufbereitung der Artefakte heute bestehen. Die Beiträge bieten einen weit gefassten Zugang zur Thematik aus literatur-, kultur- und kunstwissenschaftlicher Perspektive. Das dem Band zugrunde liegende Werkcorpus reicht von bildlichen Darstellungen über nicht-literarische Zeugnisse, lyrische Texte und einer Operette bis hin zu einer literarischen Darstellung der Lagerrealität und der Diskussion um das Verwalten von Artefakten.

 

Poetik des Übrelebens

Band 27: Jüdischer Widerstand in Europa (1933-1945)

Formen und Facetten

Hrsg. v. Schoeps, Julius H. / Bingen, Dieter / Botsch, Gideon

Mit dem Mut der Verzweiflung begannen jüdische Kämpfer im April 1943 ihren Aufstand im Warschauer Ghetto. Es war die bekannteste, aber nur eine von vielen jüdischen Widerstandsaktivitäten gegen die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. Der vorliegende Band widmet sich den unterschiedlichen Formen und Facetten des jüdischen Widerstandes, wie z.B. Partisanen-Kampf, Untergrundbewegung, Lageraufstände, Fluchthilfe und kultureller Widerstand.

 

Jüdischer Widerstand

Band 28: Jüdisches Schulwesen zwischen Tradition und Moderne

Die Hascharath Zwi Schule in Halberstadt (1796–1942)

Reupke, Beate

In dieser Untersuchung zur deutsch-jüdischen Bildungsgeschichte wird die Wirkungsgeschichte der Hascharath Zwi Schule in Halberstadt rekonstruiert, der einzigen privaten jüdischen Elementarschule der ehemaligen Provinz Sachsen. Das wegweisende Schulkonzept ihres Gründers Hirsch Isaac Borchert bestand in der Vermittlung religiöser und weltlicher Bildung und spiegelt im Zeitalter von Emanzipation und Akkulturation das Streben nach Bildung und gesellschaftlichem Aufstieg wider. Berücksichtigung fanden hierbei sowohl innerjüdische und lokalspezifische Entwicklungen wie auch die im 19. Jahrhundert eingeleiteten staatlichen Maßnahmen im jüdischen Bildungswesen. Die Studie verdeutlicht darüber hinaus das kooperative Verhältnis zwischen staatlicher Schulbehörde und privater Bildungseinrichtung und zeigt das besondere Engagement und die Entschlossenheit der Akteure, religiöse Traditionen mit den Modernisierungsbestrebungen im jüdischen Schul- und Erziehungswesen in Einklang zu bringen.

 

band-28

Band 30: Judentum und Arbeiterbewegung

Das Ringen um Emanzipation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Hrsg. v. Börner, Markus / Jungfer, Anja / Stürmann, Jakob

Mit Beiträgen von Konstantin Baehrens, Jens Becker, Gideon Botsch, Stephan Braese, Gennady Estraikh, Christoph Gollasch, Ralf Hoffrogge, Jack Jacobs, Gabriele Kohlbauer-Fritz, Doris Maja Krüger, Marcus G. Patka, Shmuel Vardi, Frank Voigt u.a.

Für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist eine überproportional hohe Beteiligung von Menschen jüdischer Herkunft an der Arbeiterbewegung feststellbar. Beide prägte das Streben nach Emanzipation. Besonders im östlichen Europa entwickelten sich jüdische Arbeiterorganisationen, die gegen doppelte Unterdrückung als Proletarier und Juden kämpften. Der Band untersucht u.a. Aktionsfelder, die Rolle des Antisemitismus und sich wandelnde Selbstbilder.

 

Band 31: Liebe und Judentum im Werk Albert Cohens

Facetten eines Zwiegesprächs

Fröhlich, Melanie

Im Werk des jüdischen Schriftstellers Albert Cohen (1895–1981) tritt der Liebesbegriff in all seiner schillernden Ambivalenz und Komplexität in einen kontinuierlichen Dialog mit dem ethischen Diskurs des Judentums. Die Studie macht dieses Beziehungsgeflecht zur Grundlage ihrer Reflexion und entwirft vor dem geistigen Hintergrund des Judentums eine Gesamtschau auf die bei Albert Cohen allgegenwärtigen Erscheinungsformen der Liebe. Aus diesem Blickwinkel gedeutet ergeben die im Schreiben des Autors vielschichtig entfalteten zwischenmenschlichen Beziehungsmuster eine ethische Matrix, die den (alt)jüdischen Wissens- und Erfahrungsschatz mit den Herausforderungen der Gegenwart konfrontiert und beides zueinander in Beziehung treten lässt. Jenseits dichotomischer Zuschreibungen stellt die vorliegende Monographie Albert Cohen als einen Literaten vor, dessen Leben und Wirken entlang der Kontaktzonen zwischen Orient und Okzident, zwischen Judentum und Christentum, zwischen Jüdisch-Partikularem und Kulturübergreifend-Universalem ausgerichtet war.

 

Band 32: Judentum und Konfession in der Geschichte der deutschsprachigen Ägyptologie

Gertzen, Thomas L.

Die Konfession deutscher Orientalisten rückt zunehmend in den Fokus fachgeschichtlicher Forschung. Dabei bietet das Spannungsfeld von Orientalismus und Antisemitismus nicht nur Ansatzpunkte bei Gelehrtenbiografien jüdischer Wissenschaftler. Die besonderen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen des „kulturkämpferischen“ Zweiten Deutschen Kaiserreichs lenken den Blick auch auf Konflikte zwischen den christlichen Konfessionen. Der Orientalistik kommt durch ihren Forschungsgegenstand dabei eine Schlüsselrolle zu. Die Ägyptologie in Deutschland hat sich, anders als ihre Nachbardisziplin der Assyriologie, nicht in den „Babel-Bibel-Streit“ verwickeln lassen. Weitgehend staatlich finanziert, mussten deutsche Ägyptologen, anders als ihre angelsächsischen Kollegen, auch nicht „biblische“ Themen aufgreifen, um private Förderer zu gewinnen. Dennoch hatte die Konfession unmittelbaren Einfluss auf Karrieren und Wissenschaftspolitik. Die vorliegende Studie geht diesem Einfluss anhand ausgesuchter Fallbeispiele auf den Grund.

 

Band 33: Deutschsprachige jüdische Migration nach Schweden

Hrsg. v. Andersson, Lars M. / Glöckner, Olaf / Müssener, Helmut / Roos, Lena

Mit Beiträgen von Carl Carlsson, Izabela Dahl, Lars Dencik, Pär Frohnert, Anders Hammarlund, Merethe Agaard Jensen, Elke-Vera Kotowski, Anna Dorothea Ludewig, Helmut Müssener, Irene Nawrocka, Lena Roos, Pontus Rudberg, Julius H. Schoeps u.a.

Seit Aaron Isaac aus dem Brandenburgischen Treuenbrietzen in den 1770er Jahren sich als erster deutscher Jude in Stockholm niederließ, bestanden bis Ende des Zweiten Weltkriegs enge und vitale Beziehungen zwischen dem deutschen und schwedischen Judentum. Schweden, bis Ende des 19. Jahrhunderts ein Entwicklungsland, wurde es Ziel deutsch-jüdischer Unternehmer, Intellektueller und Theologen, die zahlreiche religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Impulse mit sich brachten. Eine besondere Situation entstand ab 1933 durch die Flucht deutscher und österreichischer Juden nach Schweden, als eine restriktive Flüchtlingspolitik der schwedischen Regierung durch mutige und beherzte Aktionen schwedischer Hilfsorganisationen konterkariert wurde. Der vorliegende Band basiert auf einer Konferenz an der Universität Uppsala im Spätherbst 2014, bietet historische Einblicke zur deutschsprachigen jüdischen Migration nach Schweden und nimmt besonderen Bezug auf die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges.

 

Band 34: Goethe und die Juden – die Juden und Goethe

Beiträge zu einer Beziehungs- und Rezeptionsgeschichte

Hrsg. v. Ludewig, Anna-Dorothea / Höhne, Steffen

Mit Beiträgen von Dieter Borchmeyer, Stefan Breuer, Wolfgang Bunzel, Dorothee Gelhard, Rüdiger Görner, Joseph Kruse, Claudia Löschner, Irmela von der Lühe, Helmut Peitsch, Agnieszka Pufelska, Julius H. Schoeps, Ulrike Schneider, Kerstin Schoor u.a.

Ausgehend von Goethes ambivalentem Verhältnis zu Juden und Judentum widmet sich dieser Band der wechselvollen Rezeption seiner Person und seines Werkes vor dem Hintergrund der deutsch-jüdischen Kulturgeschichte. Diesen Goethe-‚Konjunkturen‘ gilt es nachzuspüren, weisen sie doch eine seismographische Funktion bezüglich übergeordneter gesellschaftlicher Entwicklungen wie der „bürgerlichen Verbesserung” bzw. der Emanzipation der deutschen Juden auf; und auch nationalstaatliche und zionistische Ambitionen werden mit Goethe verknüpft und hinterlegt. Damit werden erstmals persönliche Bezüge Goethes zu jüdischen Zeitgenossen und vice versa mit der Rezeption und Deutung seines Werkes durch (deutsch-) jüdische Wissenschaftler und Leser sowie der völkisch-antisemitischen Vereinnahmung Goethes zusammengebracht. Auf diese Weise wird eine ebenso komplexe wie wirkmächtige Wechselbeziehung neu verortet

 

Band 35: Preussische Offiziere über Judentum und Emanzipation

1762–1815

Schulte, Marion

Das „Emanzipationsedikt“ wurde nach einer Anlaufzeit von fünfundzwanzig Jahren nicht nur als Erfolg verstanden: Nach § 16 blieben die jüdischen Einwohner vom Militärdienst befreit und erhielten damit auch keinen Zugang zur Offizierslaufbahn und zu den Militärkarrieren. Neben den Gründen, die sich auf die Sparzwänge der Staatskrise bezogen, blieb die Antwort auf die Frage nach der Loyalität der nichtchristlichen Anwärter bestimmend für die behördlichen Gutachter. Die Offiziere aus den Militärdepartements votierten gegen eine Militärpflicht für preußische Juden. Die Autorin erforscht die möglichen Gründe für diese ablehnende Haltung und untersucht deren Einstellungen, Ideale und Strategien. Vorgestellt werden die Einstellungen der Offiziere zu Judentum und Emanzipation anhand der Schriften von fünf einflussreichen Offizieren – W. J. H. von Möllendorff, F. L. von Schrötter, G. von Scharnhorst, H. von Boyen und F. A. L. von der Marwitz –, die sich über ihre Begegnungen mit preußischen und polnischen Juden äußerten.

 

Band 36: Antisemitismus im 21. Jahrhundert

Virulenz einer alten Feindschaft in Zeiten von Islamismus und Terror

Hrsg. v. Grimm, Marc / Kahmann, Bodo

In den vergangenen Jahren vollzog sich eine deutlich beobachtbare Radikalisierung des Antisemitismus in Europa, die mit den islamistisch motivierten Terroranschlägen von Paris, Toulouse, Brüssel und Kopenhagen auch mörderische Konsequenzen hatte. Als Indikator für eine neue Qualität und Virulenz des Antisemitismus kann jedoch nicht nur der islamistische Antisemitismus gesehen werden, sondern auch die Zunahme von Antisemitismus in politisch und sozial arrivierten Kreisen und Milieus. Zugleich ist die Hemmschwelle für die Äußerung und Akzeptanz antisemitischer Ressentiments gesunken, sofern diese als „Israelkritik“ camoufliert sind. Parallel zu diesen Entwicklungen stellte der Antisemitismus sein Mobilisierungspotential für den politischen Protest auf der Straße unter Beweis, etwa im Rahmen der Mahnwachen für den Frieden und während des Gaza-Krieges 2014. Die Beiträge des Sammelbandes untersuchen Aspekte dieser Entwicklungen und befassen sich schwerpunktmäßig mit Antisemitismus in der öffentlichen Kommunikation, islamischen Antisemitismus und Antisemitismus in politischen Bewegungen.

 

Band 37: Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft II

Antisemitismus in Text und Bild – zwischen Kritik, Reflexion und Ambivalenz

Hrsg. v. Hahn, Hans-Joachim / Kistenmacher, Olaf

Die Beiträge des Bandes analysieren aus der Perspektive unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen künstlerisch-mediale Auseinandersetzungen mit dem Antisemitismus vor 1950. Im Zentrum steht die Frage, auf welche Weise jeweils Antisemitismus thematisiert, dargestellt und kritisiert wird. Allen Aufsätzen gemeinsam ist eine Orientierung am gegenwärtigen Stand transdisziplinärer Antisemitismusforschung. Die Analysen beziehen sich ebenso auf teilweise vergessene wie auch auf kanonisierte „Texte“, was im Sinne des erweiterten Textbegriffs Filme, Zeichnungen, Karikaturen, Fotocollagen etc. einschließt. Insgesamt wird so ein mehrsprachiges Korpus erfasst, das sich über einen Zeitraum erstreckt, der etwa mit Gotthold Ephraim Lessings Thematisierung antijüdischer Vorstellungen in seinem Drama „Die Juden“ (1749) beginnt und bis zu Linda Z. Hobsons Roman „Gentleman’s Agreement“ (1947) sowie dessen Verfilmung aus dem selben Jahr reicht.

 

Band 38: Zionismus und Authentizität

Gegennarrative des Authentischen im frühen zionistischen Diskurs

Herrmann, Manja

Das Konzept der Authentizität ist eines der zentralsten der Neuzeit. Die kulturhistorische Studie untersucht die Vorstellungen von einem „authentischen jüdischen Selbst“ und einem „authentischen Judentum“ im frühen deutschen zionistischen Diskurs. Entgegen der konventionellen Sicht, authentisch Jüdisches in die geo-kulturelle Einheit „Osten“ zu verorten, belegt sie das Vorhandensein distinkter jüdischer Authentizität im deutschsprachigen Raum. Die Darstellung beginnt mit der Veröffentlichung von Rom und Jerusalem von Moses Hess (1862) und reicht bis in das zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Diese Epoche ist besonders interessant, da in ihr die entscheidenden Begriffe für die Konstruktion einer deutsch-zionistischen Authentizität geprägt wurden. Die Konzepte von Authentizität kreisen um die Themen Antisemitismus, Emanzipation und Anerkennung, wurden jedoch auch politisiert und geschlechtsspezifisch ausgerichtet.

 

Band 39: Jewish Radicalisms

Historical Perspectives on a Phenomenon of Global Modernity

Hrsg. v. Jacob, Frank / Kunze, Sebastian

Jewish radical thoughts and actions can be described in a variety of terms and dimensions. This volume wants to survey Jewish radicalism and present different approaches on this global historical phenomenon. It is focused on the 19th and 20th century and tries to grasped the manyfold Ideas of Jewish radicalism and, thereby, it approaches the term Jewish radicalism from different perspectives and wants to extend the understanding of this phenomenon.

 

Band 40: Deutsch-jüdische Bibelwissenschaft

Historische, exegetische und theologische Perspektiven

Hrsg. v. Tzoref, Shani / Vorpahl, Daniel / Kähler, Sophia

Mit Beiträgen von Hans-Christoph Aurin, Hannes Bezzel, Chanan Gafni, Michah Gottlieb, Yemima Hadad, Louise Hecht, Klaus Herrmann, Kerstin von der Krone, Hanna Liss, Rüdiger Liwak, Uta Lohmann, Susanne Plietzsch, Dorothea Salzer, Grit Schorch u.a.

Im Fokus des Bandes stehen die Arbeiten jüdischer Exegeten und Übersetzer des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese werden im Kontext der entstehenden historisch-kritischen Bibelwissenschaft beleuchtet und in ihrem Einfluss auf jüdische Bildungsbereiche reflektiert. Dabei werden Fragen nach ideengeschichtlichen Perspektiven sowie gezielt jüdischen Interessenschwerpunkten in Ergänzung zur überwiegend protestantischen Bibelwissenschaft gestellt.

 

Band 41: Die Geschichte der Shoah im virtuellen Raum

Eine Quellenkritik

Alina Bothe

Welche Bedeutung haben digitale Medien für die Geschichte, wie entsteht eine digitale Geschichte? Wie funktioniert Forschen und Schreiben unter veränderten Bedingungen, wie die demokratische Auseinandersetzung um die Erinnerungskultur? Diesen zentralen Fragen einer digitalen Geschichtswissenschaft wird in dieser Studie anhand des paradigmatischen Visual History Archives (VHA) nachgegangen. Im VHA sind mehr als 49.000 digitale Zeugnisse Überlebender der Shoah gespeichert. Diese Studie analysiert zunächst die Quellengattung des Zeugnisses, die spezifischen Bedingungen der Zeugnisse im VHA, bevor ein theoretischer Rahmen für das Verstehen dieses digital turns, mit dem an Hannah Arendt und Homi Bhabha angelehnten Entwurf eines virtuellen Zwischenraums der Erinnerung formuliert wird. Die theoretischen Annahmen werden abschließend in drei Fallstudien zur Forschung, Darstellung und Rezeption geprüft. Ergebnis dieser Studie ist eine konzise Quellenkritik digitaler Zeugnisse, ihr Dispositiv.

 

Band 43: Being Jewish in 21st Century Central Europe

Hrsg. v. Porat, Dina / Holý, Jiří / Fireberg, Haim / Zoufalá, Marcela

Jewish life in Europe has undergone dramatic changes and transformations within the 20th century and also within recent 15-20 years. The phenomenon of the dual position of the Jewish minority in relation to the majority, not entirely unusual for Jewish Diaspora communities, manifested itself most distinctly on the European continent. This unique Jewish experience of ambiguous position of insider and outsider may provide valuable views on contemporary European reality and identity crisis. The book will inter alia focus on the main common denominators of contemporary Jewish life in Central Europe, such as an intense confrontation with the heritage of the Holocaust and unrelenting anti-Semitism on the one hand and on the other hand, huge appreciation of traditional Jewish learning and culture by the majority of European society. The volume includes contributions on Jewish life in central European countries like Hungary, Czech Republic, Poland, Austria and Germany.

 

 
   
   

Europäisch-jüdische Studien – Kontroversen

 

Band 1: Islamophobie und Antisemitismus – ein umstrittener Vergleich

Hrsg. v. Botsch, Gideon / Glöckner, Olaf / Kopke, Christoph / Spieker, Michael

Sind Mohammed-Karikaturen die antisemitischen Postkarten von heute? Gleichen die Proteste gegen den Moscheenbau in deutschen Städten dem “Juden-Raus”-Ruf des Kaiserreiches? Vergleiche zwischen heutiger Islamfeindschaft und traditionellen Spielarten des Antisemitismus beschäftigen nach einer erregten öffentlichen Debatte auch Politologen, Religionswissenschaftler und Zeithistoriker. Mechanismen der Stigmatisierung und Ausgrenzung von Minderheiten werden in jedem Fall auch in Zukunft komparativ zu analysieren sein. Der Band widmet sich den Hintergründen alt-neuer Feindbilder gegen Muslime und Juden in Deutschland, wobei auch Medienexperten und Angehörige beider Minderheiten zu Wort kommen.

 

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Band 2: Pioneers of Zionism: Hess, Pinsker, Rülf – Messianism, Settlement Policy, and the Israeli-Palestinian Conflict

Julius H. Schoeps

The emerging Jewish national consciousness in Europe toward the end of the 19th century claims many spiritual fathers, some of which have been seriously underestimated so far. Zionist intellectuals such as Moses Hess, Leon Pinsker and Isaac Rülf were already committed to the self-liberation of the Jewish people long before Theodor Herzl. Their experiences and observations brought them to believe that the emancipation and integration of Jews were not realistically possible in Europe. Instead, they began to think in national and territorial terms. The author explores the question as to what extent religious messianism influenced the ideas of these men and how this reflects in today’s collective Israeli consciousness. In a comprehensive epilogue, Julius H. Schoeps critically correlates ideas of messianic salvation, Zionist pioneer ideals, the settler’s movement before and after 1967, and the unsolved conflict between Israelis and Palestinians which has been lasting for over 100 years.

  

Pionees of Zionism

Band 3: Die Theorie der zentralen Orte in Israel und Deutschland

Zur Rezeption Walter Christallers im Kontext von Sharonplan und Generalplan Ost

Trezib, Joachim

Ist es möglich, zwischen dem israelischen „Sharonplan“ und dem „Generalplan Ost?“ eine konzeptionelle Verbindungslinie zu ziehen, die ihren Ursprung in W. Christallers „Theorie der zentralen Orte“ hat? Das Leitbild dieser 1933 veröffentlichten Theorie zielt auf eine funktionale Optimierung der Wirtschaftsfaktoren und der Verteilung der Bevölkerung im Raum. Joachim Trezib geht einer unerwarteten Parallelität nach, die er als Muster räumlicher Herrschaft sowohl in den NS-Plänen zur „Neuordnung“ Europas als auch in der israelischen Nationalplanung nach der Staatsgründung 1948 identifiziert. Der Vergleich zeigt einen exemplarischen Fall, wie sich die junge Wissenschaft der Raumplanung im 20. Jahrhundert als Herrschaftsmittel instrumentalisieren ließ.

  

Theorie der Orte

Band 4: Jerusalem, das jüdische Volk und die Kontroverse um den Dritten Tempel

Yoel M. Cohen

Der Tempelberg in Jerusalem steht im Zentrum einer alten Kontroverse zwischen Judentum und Islam. Seit der Eroberung der Jerusalemer Altstadt 1967 wurde zwar ein Modus vivendi erreicht, doch die Diskussion um den Wiederaufbau des Dritten jüdischen Tempels hält gleichwohl an. Yoel Cohen führt in den theologischen Hintergrund der Auseinandersetzung ein und untersucht erstmalig das gesamte Meinungsspektrum zur Tempelfrage und zur jüdisch-arabischen Dimension der Problematik. Cohen, der in der Frage einen dezidiert jüdischen Standpunkt vertritt, hat über hundert Interviews mit jüdischen Radikalen, christlichen Fundamentalisten, religiösen Repräsentanten jüdischer und islamischer Provenienz sowie mit israelischen und jordanischen Politikern geführt.

 
   
   

Europäisch-jüdische Studien – Editionen

 

Band 1: Max Nordau: Entartung

Hrsg. v. Tebben, Karin

Mit der „Entartung“ stellt Karin Tebben Nordaus bekanntestes Werk (1892/93) vor, in dessen Zentrum die modernen Pathologien der künstlerischen Moderne stehen. Mit Nietzsche gehört er damit zu den einflussreichsten Vordenkern einer Traditionslinie, die im weiteren Verlauf problematische Spuren nicht nur bei den nationalsozialistischen Organisatoren der Bücherverbrennung und der Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 hinterlassen hat, sondern auch in der bolschewistischen Verfolgung der künstlerischen Moderne oder in Georg Lukács‌’ Polemik gegen die avantgardistische Moderne.

 

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Band 2: Ludwig Feuchtwanger: Der Gang der Juden durch die Weltgeschichte

Erstveröffentlichung eines Manuskriptes von 1938

Hrsg. v. Mehring, Reinhard / Rieß, Rolf

Mit Ludwig Feuchtwangers Jüdischer Geschichte ist ein bislang unpubliziert gebliebenes Werk jüdischer Historiographie zu entdecken. Der Autor, Verleger bei Duncker & Humblot und Bruder von Lion Feuchtwanger, behandelt in dem unvollendeten, gleichwohl vom Autor selbst zum Druck bestimmten Text die Zeit von 1200 v.u.Z. bis 1250 n.u.Z. Dabei nimmt er viele paradigmatische Gestalten der jüdischen Geschichte (wie Philon und Maimonides) in den Blick und betont die zentrale Bedeutung der Religion für die „Selbstbehauptung“‎ des Judentums in seiner Geschichte. Im historischen Spiegel erörtert Feuchtwanger die großen Fragen nach „Todfeindschaft“ und Fremdherrschaft, Assimilierung, Exodus und Exil und richtet sich dabei mit seiner kulturgeschichtlichen Rekonstruktion der jüdischen „Lebensordnung“ auch explizit gegen eine idealistische Verengung auf eine Philosophie des Gesetzes.
Feuchtwangers zwischen 1935–38 entstandener Text gehört damit in den Kontext eines bemerkenswerten Phänomens, das Michael Brenner für die Zeit nach 1933 als letztes „Aufflammen jüdischer Geschichtsschreibung im Nationalsozialismus“ bezeichnet hat.

  

Der GAng der Juden

Band 3: Communism’s Jewish Question
Jewish Issues in Communist Archives

Hrsg. v. Kovacs, András

In the last decades, previously secret documents on Jewish issues emerged from the newly opened Communist archives. Even though the Shoa is frequently considered as the end of Jewish history, these documents make clear that the communist parties never stopped to be preoccupied with the “Jewish question.” A selection of these papers, stemming mostly from Hungarian archives sheds new light on the “Jewish policy” of the Communist bloc countries. 

 

Communisms Jewish Question